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ausfluege:8f-polarlichtsafari

8F: Mehamn-Kjøllefjord - Mit dem Schneemobil durch die Polarnacht

Kjoellefjord Kjollefjord Kjöllefjord Schwierigkeitsgrad = 3

Zeitraum

8. Dezember - 17. Mai, Dauer 2 ½ Stunden

Preis

388,- € (2017/2018); 413,- € (2018/19), Code: H(R)-MEH8F

Beschreibung

Schneescooter von Mehamn nach Kjøllefjord (Führerschein erforderlich), das besondere Erlebnis hautnah

Wir haben die Nachtfahrt von Mehamn nach Kjøllefjord gemacht, daß Erlebnis schlecht hin. Nur ein paar Autominuten hinter dem Anleger war auch schon die Scootergarage. Nach dem Anlegen der Schutzkleidung ging es zügig hinaus, es wurde der Scooter und seine Bedienung erklärt, Verhalten während der Fahrt erklärt und..dann erfolgte die Zuteilung der Fahrzeuge, unser persönliches Gepäck wurde auf unserem Scooter verstaut und gesichert.
Mittlerweile war die ungewohnte Kleidung schon fast bequem geworden, „Adrenalin“ sei Dank… und….endlich aufsteigen. Dick vermummt und recht bequem sitzend durfte nun der Motor gestartet werden. Und dann gings schon los, der 1. Guide vorneweg…etwas holpernd folgte dann der Zweite..genauso holpernd folgte ich dann als vorletzter…hinter mir nur noch Astrid und der 2. Guide. War sie besser weggekommen als ich? Rückspiegel gab es ja keine, umdrehen…oh oh…viel zu gefährlich.
Ungewohnt die Gasbedienung mit dem Daumen, hatte sie doch auch den Vorteil, daß man sich mit beiden Händen festhalten konnte….viel zu fest. Wie war das noch? Arme locker auf den Lenker legen und nicht verkrampfen?? Leichter gesagt als getan, denn hier war der Untergrund recht hart gefroren und mit zig Spuren versehen, die alle vereist waren. Der Scooter wollte jeder Spur folgen…das kann ja heiter werden.
Mit gefühlten 50 Sachen fuhr man hinter den anderen her, voll konzentriert…der kleinste Daumenzucker liess das Monster losstürmen, die Zurücknahme des selbigen kam einer heftigen Bremsung gleich. Bloss keine Panik…schabend und kratzend „donnerte“ „mein“ Scooter über den wirklich breiten Weg. Gedanken wie „ wäre es ein Auto, müsste die Spur defekt sein, Plattfuß.?..ach ne, hat ja keine Reifen…..irgendwas unterm Fahrzeugboden aufgesammelt..? Äste, Steine, hm..drübergefahren bin ich nirgendwo…nur Schnee und Eis hier“. Mal kurze Lenkbewegung gemacht…uiui holla die Waldfee..das lassen wir lieber mal. Es knirschte und knarzte , so muss sich ein Rodeoreiter fühlen, wenn der Gaul nen eigenen Weg sucht. Schön brav…puh…vielleicht müssen wir uns erst aneinander gewöhnen. Ziemlich ernüchternd dann der zufällige Blick auf den Tacho….die gefühlten 50 erwiesen sich als knapp über 20 km/h.
Mitterweile hatte sich der Eisspurenweg in eine schöne Schneedecke verwandelt..der Motor klang gut …So ließ es sich aushalten. Langsam verschwand auch der Tunnelblick…die Scooter vor mir wiesen mir ja den Weg…traumhaft schön der angestrahlte Schnee. Mal kurz nen Blick nach oben… schwarzer Himmel und Sterne ohne Ende…….kurzes Knirschen und…mal kurz von der Ideallinie abgekommen.
Irgendwie wollte mein Scooter immer wieder in den tieferen Schnee…wie war das noch?? Wenn man nach rechts will nützt das Lenken alleine nicht viel, da muss der „Hintern“ unterstützend eingreifen. Na ja, was solls, hier kennt mich keiner. Also linke A..backe mal auf den rechten Sitzteil gehieft…das geht aber nur, wenn gleichzeitig das linke Bein gestreckt wird. Rodeoreiten auf nem Schneescooter, wie bekloppt sieht das wohl für meinen Hintermann äh –frau aus. Die hatte ich doch glatt vergessen…immer darauf bedacht, die angesagten 15 Meter Abstand zum Vordermann nicht zu unterschreiten, und auch nicht viel grösser werden zu lassen.
Ich wusste ja den 2. Guide hinter uns, der würde schon auf Astrid aufpassen. Mutig schnell einen Blick nach hinten riskiert…blankes Entsetzen…Astrid wird gleich zum Überholen ansetzen. Mitterweile hatte unser „Zug“ einen leichten Linksbogen gefahren und es ging über kleine Erhebungen langsam höher. Die vordersten fuhren erheblich schneller, sie hatten jetzt absolut nur Schnee unter den Kufen und folgten dem Guide einen kleinen Berg hinauf. Das höhere Tempo setzte sich bis zu mir durch, die Gelegenheit, nun mal den Daumen etwas mehr nach vorne…wow…was für eine Beschleunigung, was für ein Klang……abgelesene 45 km/h……und was für ein Licht an meinen Beinen?? Todesmutiger Blick nach hinten….Astrid hing im Windschatten. Gott sei Dank war die befahrbare Wegstrecke mit den Plastikstangen gekennzeichnet, die Sicht nach vorne hervorragend…so liess sich gut „Kampflinie“ fahren…überholtwerden ausgeschlossen.
Trotz der weichen Sitzbank, der verhältnismäßig guten Federung meldete sich die Blase zum xten mal, nunmehr schon recht vehement. Die Überlegung, im Camp vorher noch auf die Toilette zu gehen, den masslos getrunkenen Kaffee vorher zu entsorgen…die körperliche Anspannung wich mit jedem gefahren Meter mehr. Der Tunnelblick war längst gewichen, es machte Spass, die Arme lagen, wie es der Guide erklärt hatte, nicht mehr verkrampft, sondern locker auf dem Lenker. Der kurze Zwischenspurt hatte auch für reichlich Platz nach hinten gesorgt…wenn nur nicht der Kaffee wäre.
Im Geiste wurden die Handgriffe für den Notfall durchgegangen:1. Linken Arm heben, damit der Hintermann die Stoppabsicht erkennt. 2. Daumen vom Hebel und Scooter ausrutschen lassen ( Ausrollen wäre ja blöd) 3. Zündschalter herunter drücken, somit Motor aus…aber auch die Beleuchtung 4. Visier hoch klappen, weil es sonst sofort beschlägt, man sieht nichts, fühlt nichts und hätte auch weiter fahren können. 5. Zündunterbrechung ( Totmann Schaltung) von der Schutzkleidung lösen und nachher im Dunkelen wieder drann fummeln. 5. Vom Scooter unter den erschwerten Bedindungen elegant absteigen, mit zusammengekniffenen Beinen die wärmenden aber gefühllosen Handschuhe von den Händen zerren….jetzt nur noch den schwergängigen Reissverschluss der Spezialhose finden,..ah ja, als Weichei trägt man ja noch darunter die Strassenkleidung………..würde es jetzt schneien wären die Spuren bald verdeckt.
Gefühlte 50 km weiter, stoppten dann die ersten Scooter, reihten sich nebeneinander auf…ein schönes Bild, wenn nicht….egal, erst einparken. Was dann in etwa 300 m höhe und „fern ab“ jeglicher Zivilisation geschah…………..ein paar Stimmen noch „kurze Pause“, dann Ruhe…tiefschwarze Nacht…ein grandioser Sternenhimmel und…..Polar Lichter die sich bewegten, wie Schleiervorhänge, mal mehr mal weniger…einen Ring bildend…an einer Stelle verblassend, an anderer wieder wie Lanzen in den Himmel. Rückwärts auf dem Scooter liegend wie in einem Liegestuhl..ohne anstrengendes Kopf verdrehen…. Blick nach oben….unbeschreiblich…..Mehamn war als leichter Lichschein zu erkennen, ansonsten war es dunkel wie im sprichwörtlichen Bärena…h.
Die Pause wurde zum Rauchen, Fotografieren, bisherige Erfahrungen austauschen bzgl. des Fahrens genutzt. Astrid war begeistert von den Polarlichtern…„ und sie bewegen sich doch, ich kann sie sehen, ohne zu frieren oder mir die Farbe vorstellen müssen“. So nebenbei die Frage an sie, „ na, wie kommste zurecht mit dem Dingen..?“ „ Ist echt klasse, bloss gut, daß ich mich überwunden hatte und selber fahren wollte“. Wollte…wollte, ich wollte doch auch was …..schnell mal 20 Meter in die Dunkelheit verschwunden, bei knietiefem Schnee. Bloss gut, das man mit Handschuhen nicht rauchen kann, so konnten die eiskalten Finger direkt ihren Weg nehmen. Was für ne Erleichterung…da flackert über mir das Polar Licht, und ich male Spuren in den Schnee…..„
Aufsitzennnnnnnn, wir fahren weiter“ Hölle, Pest und Verdammnis…wenn die Scooter gestartet werden, stehe ich im Rampenlicht. Bis auf 2 Tassen…..die müssen drinn bleiben bis zum hoffentlich nächsten Stopp. Jetzt bloss keine Grobmotorik, die Reissverschlüsse sind sensibel….geschafft. Aufsitzen, mein Vordermann reiht sich schon in die Spur ein…mit rechts den Zündkontakt gezogen, mit links den Starter betätigt…das Abreissseil wieder an den Anzug angetüttelt…..der rechte Daumen zuckt…der Bock macht nen Satz nach vorne..das ging schonmal besser..egal….so, jetzt während der Fahrt mal eben den linken Handschuh anziehen, den konnte ich ja wegen der Feinmotorik beim antütteln des Seiles nicht gebrauchen. Lässig mit nur der rechten Hand steuernd……Anziehversuch zwecklos!! Die rechte Hand muss helfen…grrr, das Ding hat ja keinen Leerlauf, sobald Pfote vom Gashebel..Scooter steht. Ist halt doch was anderes, als Roller fahren. Es hilft alles nichts…nach drittem Versuch muss der linke Arm hoch, Zeichen nach hinten…das Astrid an mir vorbeifahren soll, der Abstand zu den vorausfahrenden ist mittlerweile gross. Handschuh endlich an…den rechten auch etwas zurecht gerückt… Irgendie kollidiert eine meiner Hände mit meiner Brille, das linke Augenglas fällt heraus…( später rekonstruiert: mit rechts Gas gegeben, mit links versucht das Visier zu schliessen, dabei in der Brille gelandet und….Glas aufgefangen.
Was der Guide wohl hinter mir gedacht hat, die Meute vorne war schon recht weit weg, Gott sei Dank unübersehbar. Das Glas in der Anzugtasche verstaut, Visier offen gelassen wegen der besseren Sicht. Jetzt war aufholen angesagt….weit vor mir sah ich Astrids Lichter, noch viel weiter waren die anderen. Voll konzentriert und mit eisigem Wind im Gesicht ging es mit über 80 km/h hinterher.
Die bei Fahrtantritt besprochene Kurventechnik zahlte sich aus, es ging wirklich einfacher und kursstabiler …das Gelände wechselte von hubbelig auf glatt und wieder zurück, es kamen Hanglagen, mal links mal rechts. Teilweise war nicht eine Backe auf der Bank, immer schön daneben…das also hatte er gemeint mit: das wichtigste Körperteil ist dein Hintern, der sorgt dafür, das du nicht weg schmierst. Es fing an, richtig Spass zu machen, zu spüren, wie man immer besser um die Kurven kam. Längst hatte ich Astrid eingeholt, wartete nur auf eine Überholmöglichkeit. Ein etwas breiterer Weg, dann die Zufahrt auf einen „Berg“…lässig auf die linke Seite gepeilt ..die aufgewirbelten Schneebrocken von ihr wollte ich nicht länger schlucken..Befehl an Daumen: Durchdrückennnnnnnnn. Sack und Asche, ein Teufelsgerät.
Bärenstarke Beschleunigung aus 30 km/h…man merkte dem Scooter die Freude an, voll cool an Astrid vorbei….Gas stehen lassen und den Berg rauf.. Im tanzenden Scheinwerferlicht taucht eine „Bodenwelle“ auf, wer zum Teufel hat sich diese einfallen lassen, nun ja, ist halt ein Naturweg…jetzt bloss nicht die angepeilte Flugrichtung verlassen ..es wird leicht, genau wie beim Wellenritt mit der POLARLYS. Das Ding hebt ab…fliegt…jetzt kommt der Aufprall und das wars dann… Butterweich setzt der Scooter auf…die Freude darüber dauert nur bis zur schnell näher kommenden Kurve. Daumen vom Gas…das war ein Fehler….er steht fast…wieder etwas gedrückt, das war zuviel……unbeirrt drängt „mein“ Scooter nach aussen, statt in die Kurve.
Ich kämpfe mich durch Tiefschnee…fahrtechnisch hätte ich nach rechts mit den Backen gemusst aber der Hang ist rechts!! Lange überlegen geht nicht, sonst zeigt Astrid mir, wie es geht. Mit den Worten des Guide´s im Ohr…..klappte es hervorragend…nach rechts gehüpft er lenkt ein, danach sofort nach links gehüpft und in Schräglage am Berg entlang. Schon nahte die nächste Pause…es wurde gefachsimpelt, geraucht….man fühlte sich schon wie ein Profi. Und das alles in dieser wunderbaren Landschaft, Gefühle von Freiheit und auch Abenteuer kamen auf. Als „Profi“ bekam Astrid von mir Kniffe und Tricks fürs Kurven fahren , insgeheim habe ich sie bewundert, sie hatte ihr Gefährt genauso gut beherrscht, wie alle anderen auch.
Viel zu früh kam nach dieser 2. Pause dann das Ende unserer Fahrt, gefühlte 5 min später reihten wir uns wieder nebeneinander auf. Der Bus war bereits da und wir liessen die Schneemobile im Dunkel der Nacht einfach hinter uns stehen. Die Fahrt nach Kjøllefjord schien unendlich lange zu dauern…überall Schnee..selbst die Strassen waren schneebedeckt. Gerne wären wir alle mit den Schneemobilen bis zum Anleger gefahren…die „paar“ Meter hätten wir nun mit links gemacht.
Sicherlich sind die anderen angebotenen Fahrten auch schön, aber wir hatten durch das Polar Licht ein besonderes Highlight…„und es bewegt sich doch, und es ist grün“.


ausfluege/8f-polarlichtsafari.txt · Zuletzt geändert: 23.05.2017 21:30 von jobo | Ihre Anmerkungen |
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