Die Helgeland-Saga
Auf unserer Reise entlang der kystruten durchfahren wir auch die Landschaft Helgeland. Diese beginnt heute nördlich von Rørvik (etwa ab der Insel Leka) und reicht fast bis Bodø und gilt als eine der schönsten an der gesamten norwegischen Küste. Diese Landschaft, die in der alten Zeit Hålogaland hieß und bis in die südlichen Vesterålen reichte, ist auch Gegenstand vieler Sagen und Geschichten. Die wohl bekannteste unter diesen Geschichten ist die Helgeland-Saga.
Wie bei allen Sagen weichen die Erzählungen, wohl durch die Überlieferungen von Generation zu Generation, meist ein wenig voneinander ab. Wir erzählen hier die am meisten verbreitete Varaiante der Saga.
Die Helgeland-Saga
Einst herrschten zwei mächtige und riesige Trollkönige am Vestfjord. Auf den Lofoten thronte der der Vågakallen hoch über dem Vestfjord. Er war eher der See zugetan und sein Reichtum bestand aus dem Fischreichtum der Region. Im gegenüber saß der Sulitkongen, der über Sulitjelma herrschte, eine Bergreich, welches sich bis zur heutigen schwedischen Grenze hinzog. Sein geheimer Reichtum waren die Kupfererzvorkommen und andere Mineralien, die in seinem Bergreich vorhanden waren.
Wie immer, wenn Seemann auf Bergmann trifft, war man sich nicht grün und beäugte sich ständig böse über den Vestfjord. Auch hatte der Vågakallen ein heimliches Verhältnis und Kind mit der Landegomøya, die auf der Insel Langedode lebte und eigentlich dem Blåmannen versprochen war.
Beide Riesentrolle hatten auch Kinder. Der Vågakallen hatte einen Sohn, den Hestmannen, den Pferdemann, der ein wilder und ungezügelter Bursche war. Der Sulitkongen hatte sieben kaum im Zaun zu haltende Töchter (Botnkrona, Grytfoten, Skjeringen, die Tvillingene (Zwillinge), Kvasstinden und Breitinden(Stortinden)).
Als die beiden Herrscher älter wurden, konnten sie die Kinder nicht mehr bändigen. Während der Hestmannen, nach einem heftigen Streit mit seinem Vater, nach Svolvær ging und dort mit der Svolværgeita (Svolværziege) zusammenlebte, wurde sein Ruf immer schlechter und es war nicht geraten, sich mit ihm anzulegen.
Der Sulitkongen gab seine sieben wilden Töchter der Landegomøya zur Pflege, der die Jungfrau Lekamøya als Gouvernante für die Töchter zur Seite stand.
In einer der hellen Nächte im Mai blickte der Hestmannen über den Vestfjord. Dabei sah er die sieben Schwestern und die Lekamøya beim Baden in der See. Sofort verguckte er sich in die Lekamøya, sattelte sein Pferd, warf sich den Mantel um und preschte in wildem Ritt über den Vestfjord.
Bald schon sah die Lekamøya dieses Unheil auf sich zurasen. Sie und die sieben Schwestern ergriffen die Flucht gen Süden. Die nun folgende wilde Jagd erregte viel Aufmerksamkeit und viele Trolle verfolgten sie teils besorgt, teils amüsiert. So auch der Rødøyløva (der Rotinsellöwe), an dem sie vorbei hetzten.
Doch die sieben Schwestern fanden den Hestmannen eigentlich als einen sehr interessanten Mann. Sie warfen ihre Umhänge ab, aus denen die Insel Dønna entstand, und stellen sich aufreizend bei Alsten in einer Reihe auf.
Doch der Hestmannen hatte kein Auge für sie und jagte weiter der Lekamøya hinterher. Diese entledigte sich aller Gegenstände, die sie bei sich trug (sie hatte immer ihre Backutensilien bei sich), und wurde dadurch immer schneller, dass selbst der Hestmannen auf seinem Pferd nicht mehr hinterher kam.
Als der Hestmannen bemerkte, dass er die Lekamøya nicht einholen konnte, wurde er wütend. Er entschied, dass, wenn er sie nicht haben konnte, sollte keiner sie haben und ergriff seinen Bogen und jagte ihr einen Pfeil hinterher. Ein Riesentroll bei Brønnøysund griff nun ein und warf seinen riesigen Hut in die Bahn des Pfeils. Dieser durchschlug zwar den Hut und hinterließ ein Loch darin, änderte aber dadurch seine Flugbahn und verfehlte die Lekamøya, die nach Leka entkam.
Über die wilde Jagd hatten alle aber die zu der Zeit sehr kurzen Nächte vergessen und so ging in dem Moment die Sonne auf. Der Hut mit dem Loch fiel herunter und versteinerte sofort zum Torghatten. Ebenso erging es allen die an der Jagd teilgenommen, oder diese beobachtet hatten.
Die Backrolle, Rührlöffel und anderen Gegenstände derer sich die Lekamøya entledigt hatte liegen heute noch, als markante Steine, auf der Insel Tjøtta.
Und so kann man sie alle, Gegenstände und Trolle, noch heute an den Plätzen sehen, an denen sie versteinert wurden.